Besser kann ein Brauhaus in Hamburg eigentlich nicht gelegen sein: Direkt an den Landungsbrücken erlebt man eine der schönsten Ecken der Stadt.

Der Blick von der Terrasse ist wunderschön. Landungsbrücken, Elbe. Links, hinter den Masten der Rickmer Rickmers und dem Museumsschiff Cap San Diego kann man die noch nicht ganz fertige Elbphilharmonie sehen, am gegenüberliegenden Ufer das Stage Theater, wo das Musical „König der Löwen“ aufgeführt wird. Und rechts davon Docks und den riesigen Containerhafen. 500 Sitzplätze bietet die Terrasse. „Aber selbst im Sommer kann es manchmal ganz schön zugig sein“, sagt Braumeister Thomas Hundt, der mich durch Gasthaus und Brauerei führen wird. Die Terrasse soll daher teilweise überdacht werden.

Hier lässt es sich aushalten: Blick von der Terrasse

Hier lässt es sich aushalten: Blick von der Terrasse (Foto: Boris Georgiev)

Drinnen gibt es auf mehreren Ebenen 400 Sitzplätze, auch separate Räume sind zu haben. Das Leben spielt sich allerdings im Erdgeschoss ab, wo lange Biertische und -bänke stehen. Wir stehen neben der Brauanlage im ersten Stock und sehen hinunter. Ich staune: Es ist früher Nachmittag, und an einigen Tischen wird schon kräftig gebechert und gegröhlt. Besonders ein mit Engländern besetzter Tisch liegt weit vorne: An jedem Ende steht ein 10-Liter-Fass zur Selbstbedienung. „Das ist nicht ungewöhnlich, aber Bierleichen haben wir wirklich selten“, so Thomas. An einem anderen Tisch sitzen FC-Bayern-Fans, die später muntere Fan-Gesänge anstimmen. Und das straffrei in der Heimat des HSV, bei denen die Bayern heute spielen, und fast in Rufweite zum Millerntor-Stadion des FC St. Pauli! Gelebte Toleranz, so sind wir Hanseaten nun mal.

10-Liter-Fass zum Selberzapfen – das reicht eine Weile

10-Liter-Fass zum Selberzapfen – das reicht eine Weile. (Foto: Boris Georgiev)

Die Kellnerinnen und Kellner in bayerisch angelehnten Trachten haben jedenfalls gut zu tun. Die Küche unterscheidet sich komplett von der der Blockhouse-Steakhäuser und gibt sich rustikal. Die Mischung ist etwas kurios, denn neben bayerischen Schmankerln wie Obatzter, Radi-Teller oder Weißwürsten stehen Krabben-Brot, Matjes und Hamburger Pannfisch auf der Karte. Und natürlich Bier. Ganzjährig ist das naturtrübe Pils zu haben, dazu gibt es obergärige saisonale Spezialitäten, die man dem „Bierfahrplan“ im Internet entnehmen kann. So zum Beispiel den Senatsbock, dem in dieser Ausgabe ein eigener Artikel gewidmet ist. „Der läuft gut, weil es etwas Besonderes ist und den Leuten die Geschichte dahinter gefällt“ sagt Thomas. „Die anderen Sorten sind gemäßigter. Ein IPA würde hier nicht leer werden, da erwartet das Publikum einfach etwas anderes. Darum nennen wir unsere Sorten auch „Frühling“ und „Herbst“ und nicht „Pale Ale“, obwohl es eins ist. Letztes Jahr hatte ich eins mit nur 11 Bittereinheiten, aber tollen Aromen. Das ist erstaunlich gut angekommen.“ „Ist das Craft Bier?“, frage ich. „Ja, aber gemäßigt. Jedenfalls nach hiesiger Definition von Craft Bier. Der amerikanische Begriff lässt sich nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen“, antwortet Thomas. „Dort gibt es Brauereien, die stoßen Millionen Hektoliter aus, sind per Definition aber Craft. Wenn wir den Begriff als „handwerklich, mit Hingabe gebraut“ definieren, dann ist das Craft. Gemäßigt, weil wir ja nahezu alles, was wir produzieren, etwa 4500 Hektoliter pro Jahr, hier verkaufen müssen. Ein paar Prozent gehen ins Grand Elysée, das Eugen Block gehört, oder werden bei Craft-Bier-Festivals verkauft.“

Braumeister Thomas Hundt im Gär- und Lagerraum

Braumeister Thomas Hundt im Gär- und Lagerraum. (Foto: Boris Georgiev)

Wir blicken zum 2,5-Hektoliter-Sudhaus: Gut sichtbar thront es über dem Erdgeschoss, links der Läuterbottich, rechts die Maische- und Würzepfanne, beide mit Kupfer verkleidet. Dazwischen der Whirlpool. „Aus optischen Gründen“, wie Thomas erklärt. Designer-Fliesen an den Wänden, die gar nicht so aussehen, aber recht teuer waren, wie mir versichert wird. Ziemlich eng ist es zwischen den Braukesseln. Platz für die sieben Gär- und Lagertanks war hier nicht mehr, die stehen 150 Meter entfernt. Also raus aus dem Blockhaus und bei der Polizei wieder rein. Die sitzt im ersten Stock, die 4000-Liter-Tanks im Erdgeschoss. Eng ist es hier und angenehm warm bei 24 Grad. Der Raum ist gut gefüllt, Erweiterungskapazitäten gibt es nicht mehr. Leitungen führen von hier hinüber in die Gaststätte, wo im Erdgeschoss vier Ausschanktanks mit je 500 Litern Fassungsvermögen stehen. Optisch ansprechend hinter einer Glaswand sind sie ins Ensemble integriert. Auch die Flaschenabfüllung geschieht hier, in reiner Handarbeit wohlgemerkt, denn die Biere sind nur vor Ort als Mitbringsel im Shop erhältlich. Hinter den Ausschanktanks ist der Raum mit dem Malzlager und der Mühle. Über eine Kettenförderanlage gelangt das Malz in den Maischebottich.

Es war nicht einfach, die architektonischen Gegebenheiten, den Denkmalschutz und die Bedürfnisse einer Brauerei unter einen Hut zu bringen. Viel persönliches Engagement von Eugen Block war notwendig – und natürlich auch viel Geld, um seinen Traum von einer Brauerei Wirklichkeit werden zu lassen. Seit drei Jahren existiert das Blockbräu jetzt, und der Erfolg zeigt, dass all die Mühen sich gelohnt haben.

Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe #1 von craftbeer. Diese und weitere Ausgaben bekommst du unter in unserem Shop.

Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe #1 von craftbeer. Diese und weitere Ausgaben bekommst du als Print-Heft und PDF in unserem Shop.

Die Engländer müssen sich beeilen, ab 17 Uhr ist geschlossene Gesellschaft: „World Hotels“ hat Mitarbeiter aus aller Welt zu einer Tagung einfliegen lassen, heute ist bayerischer Abend im Blockbräu angesagt. Mit Kapelle und allem, was so dazugehört. Auch die Bayern-Fans werden also umziehen müssen, Anpfiff ist erst um 20.30 Uhr. Wenn sie so weiter trinken wie bisher, kriegen sie von dem Spiel nicht viel mit (Ergebnis übrigens: „nur“ 1:2).

Im Sommer will ich unbedingt mal abends vorbeikommen und den Sonnenuntergang auf der Terrasse genießen. Jetzt schlendere ich noch mal über die Landungsbrücken und genieße das traumhafte Abendlicht, das das Gebäude in warme Farben taucht. Noch ein Blick über den Hafen – ja, viel schöner kann eine Brauerei kaum liegen.

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