Eines der besten Biere der Welt ist leider auch eines derer, an die man am schwierigsten herankommt. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut und uns auf die Reise nach Belgien begeben …

„Tut, tut, tut …“

Besetzt. Wieder mal. Seit zwei Wochen versuche ich, bei der Bestellhotline von Westvleteren durchzukommen. Nicht ununterbrochen natürlich, aber zu den angegebenen Zeiten, die sehr merkwürdig schwankend sind, immer mal wieder. Gefühlte 1.000 Versuche. Na ja, realistisch betrachtet vielleicht 100. Und das Lustige: Ich weiß gar nicht, ob und wie ich mich verständigen kann. Nachher sprechen die nur Flämisch. Unwahrscheinlich, aber wer weiß das schon.

„Tut, tut, tut …“

Vor elf Jahren fing der Trubel um die Trappisten-Abtei Sint Sixtus an: Da erkor Ratebeer deren Bier „Westvletern XII“ zum besten Bier der Welt. Und auf einmal wollten es alle haben. Das Problem: Es ist auch eines der am schwierigsten erhältlichen Biere der Welt. Man muss zum Kloster fahren, das liegt kurz vor der Belgischen Nordseeküste, ungefähr 15 km von Dünkirchen entfernt. Also nicht gerade zentral. Nur dort ist das Bier offiziell erhältlich. Bis 2005 gab es die Telefonhotline noch nicht, da wurde im Internet bekanntgegeben, an welchen Tagen es Bier gibt. Ergebnis: Kilometerlange Staus durch die angrenzenden Dörfer, sehr zum Leidwesen der Anwohner.

„Tut, tut, tut…“

Nur noch fünf Minuten bis zum heutigen Ende der Bestellzeit. Es musste also dringend eine neue Lösung her, denn mit immer größerer Reichweite von Ratebeer verschärften sich die Probleme zusehends. Bis heute steht das Bier unangefochten jedes Jahr wieder auf dem ersten Platz. Auch ein „Schwarzhandel“ hat sich mittlerweile etabliert, aber dazu später mehr, denn …

„Tüüüt, tüüüt“

„Hello?“

Ich bin so perplex, endlich durchgekommen zu sein, dass es mir glatt die Sprache verschlägt.

„Ääh, hello.“

„Your car-number please.“ Das verstehe ich. Zur Anmeldung muss man das Autokennzeichen angeben, dieses wird bei der Abholung überprüft. Kann man nur hoffen, dass einem der Wagen nicht unterwegs verreckt.

„Ok, when will you pick up the beer?“

„Next Tuesday“, antworte ich, denn der Abholtag ist immer in der folgenden Woche.

„So you come on Tuesday, 14 o’clock.“

„Yes, thank you. Bye.“

Der Eingang zur Brauerei. (Foto: Boris Georgiev)

Der Eingang zur Brauerei. (Foto: Boris Georgiev)

Puh, endloses Gewähle für nicht mal eine Minute Gespräch. Doch ich strahle wie ein Honigkuchenpferd. Jeder, der sich für Bier interessiert, will irgendwann einmal nach Westvleteren, um zwei der legendären Holzkisten in Empfang zu nehmen. Ja, zwei Kisten – mehr gibt es nicht pro Fahrzeug. Ich rechne ein wenig, nachdem ich mir die Strecke gegoogelt habe: 700 km pro Strecke, macht 30 km pro Flasche.

Der lange Weg zum Glück. (Foto: Boris Georgiev)

Der lange Weg zum Glück. (Foto: Boris Georgiev)

Zeitsprung: Dienstag Vormittag. Ich starte von Antwerpen aus, wo ich bei meiner Cousine übernachtet habe. Belgische Autobahnen sind ja beleuchtet. Aber anscheinend hat niemand den Konstrukteuren gesagt, dass man die Kabelkästen auch unterirdisch verlegen kann. Alle 50 Meter rumpelt es. Die nächste Autobahn ist besser. Gibt doch Fortschritte im Ingenieurswesen. Dafür steht auf gefühlt jedem Kilometer ein Blitzer. Irgendwie muss das Geld für die Stromrechnung der Beleuchtung ja wieder reinkommen. Alle dümpeln mit gemütlichen 120 km/h vor sich hin. Das ist etwas öde, aber auch sehr entspannend, verglichen mit unseren Autobahnen. Dann Landstraße, schließlich komme ich nach Poperinge, dem belgischen Zentrum des Hopfenanbaus. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Ziel. Und schließlich passiere ich das Ortsschild – Westvleteren. Wie lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet? Ach, ewig. Gut, dass ich das Navi programmiert habe, denn die kleine Einfahrt mit dem noch kleineren Schild hätte ich sonst übersehen. Man stellt sich das doch irgendwie anders vor. Riesige Schilder, die damit werben, dass hier das beste Bier der Welt herkommt. Dazu übermannsgroße, rote Pfeile, auf denen in sechs Sprachen „da geht’s lang“ steht. Nach einigen hundert Metern Rumpelpiste bin ich da. Vor mir erstreckt sich eine lange, hohe Mauer, dahinter befindet sich das neu erbaute Kloster. Ich stelle meinen Wagen auf dem riesigen Parkplatz ab, den man hier nach der letzten Straße nicht unbedingt vermutet hätte. Neben dem Parkplatz ist eine Schule, Pausenlärm erfüllt die Luft. Natürlich bin ich viel zu früh, aber schließlich weiß man ja nie. Genügend Zeit, mich umzusehen. In der Mauer ist ein großes Portal, das aber nicht der Eingang zum Kloster ist. Der befindet sich am linken Ende neben der Hofeinfahrt der Brauerei und besteht aus einer kleinen Tür mit Kamera über der Klingel. Auf dem Parkplatz bin ich verabredet, allerdings erst in einer Stunde. Hinter dem Tor kann man die Brauerei erahnen, richtig zu sehen ist nichts. Alles vor neugierigen Blicken verborgen. Über einen schön angelegten Weg gelange ich zum Café „In de Vrede“. Hier gibt es die drei Sorten im Ausschank, übrigens aus der Flasche, eine Fassabfüllung hat das Kloster nicht. Grad mal 12 Uhr, aber hier tobt schon das Leben. An das Restaurant angeschlossen ist ein Shop, in dem man die Biere in Sechserträgern kaufen kann. So haben auch Besucher eine Chance, ein paar Flaschen zu ergattern, wenn sie sich nicht in der Brauerei angemeldet haben. Der Preis beginnt hier bereits zu steigen – im Kloster kostet eine Flasche „XII“ 1,80 Euro, hier werden für das Sixpack 21,90 Euro ausgelobt, macht mit 3,65 Euro je Flasche – schon mal das Doppelte. Man muss den Mönchen ja versprechen, das Bier nicht weiterzuverkaufen. Dennoch landet es immer mal wieder im Einzelhandel oder in der Gastronomie. Üblicherweise kostet das „XII“ dann 18 Euro, eine Preissteigerung um das zehnfache. Aber die Leute kaufen es auch zu diesem Preis. Schließlich noch immer billiger, als nach Westvleteren zu fahren.

Endlich! Craftbeer-Chefredakteur Boris mit dem Objekt der Begierde.

Endlich! Craftbeer-Chefredakteur Boris mit dem Objekt der Begierde.

Um 14 Uhr ist es dann endlich soweit: Ich kann mein Bier abholen. Es wurde eine Abholstation eingerichtet, die an Drive-Thrus erinnert: Man fährt über eine lange Schleife vor den Unterstand, wo ein Angestellter das Kennzeichen kontrolliert. Dann bekommt man seine Kisten ins Auto gestellt und fährt eine Station weiter zur Kasse. Fehlt eigentlich nur eine Gegensprechanlage, an der man mit „Willkommen in Westvleteren. Ihre Bestellung bitte.“ begrüßt wird. Nur zwei Wagen stehen vor mir. Das habe ich mir deutlich voller vorgestellt. Nachdem ich bezahlt habe, beobachte ich das Treiben eine Weile. Etwas später stehen auch mal sechs, sieben Wagen in der Schlange, alles im Rahmen. Die meisten haben belgische Kennzeichen. Und was mich ein wenig erstaunt: Etwa die Hälfte hat Leergut an Bord. Also nehmen auch Belgier das lange Gewarte am Telefon auf sich, um an das begehrte Bier zu kommen. Zwei Franzosen haben sich spontan in die Reihe gestellt, aber spontan gibt es hier nichts. Kein notiertes Kennzeichen, kein Bier. Sichtlich enttäuscht fahren sie weiter. Der Angestellte vertröstet sie noch mit dem Hinweis, dass es Sechserträger im Restaurantshop gibt. Vier Freunde machen Urlaub in den Niederlanden und sind heute extra hierher gefahren. Alle vier strahlen um die Wette: „Yeah, yeah. Endlich! Da haben wir sooo lang drauf gewartet.“

Dabei fällt mir noch etwas ein, was Mark Bode erzählte, als ich ihn nach kuriosen Geschichten fragte: Einmal haben Leute angerufen, die meinten, sie können ihr KfZ-Kennzeichen nicht angeben – weil sie mit dem Helikopter kommen. Da fällt einem auch nichts mehr ein.

Dann mache ich mich auf den Weg zurück nach Antwerpen. Dort steht für den Abend ein Besuch im Kulminator an, einem der meistgelobten Biercafés überhaupt. Was für ein Tag!

Und ist Westvleteren XII nun das beste Bier der Welt? Schwer zu sagen. Als ich es vor einigen Jahren zum ersten Mal im Glas hatte, war das eine der schwierigsten Verkostungen überhaupt. Man trinkt ja gegen einen Berg Lobeshymnen an. So ein Bier dann vorurteilsfrei zu bewerten, stellt auch erfahrene Tester hart auf die Probe. In der Liste der gut 3500 Biere, die ich bisher verkostet habe, ist es in den Top 10. Aber letztlich muss das jeder für sich selbst herausfinden.

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