Wesentlich für den Genuss eines Bieres ist die richtige Trinktemperatur. Denn die Aromen sollen sich optimal entfalten können. Aber gibt es überhaupt eine Ideal­temperatur für Bier? Mit einem Wort: Nein. Für die zahlreichen Sorten ist nicht immer die gleiche Temperatur richtig.

Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe #1 von craftbeer. Diese und weitere Ausgaben bekommst du unter in unserem Shop.

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Wir kennen das Problem: Die Party läuft, der Kühlschrank kommt mit der Bierkühlung nicht mehr hinterher (s. Tabelle der Kühlzeiten). Was tun? Wir nehmen die Physik zur Hilfe, Stichwort Wärmeleitung und zweiter Hauptsatz der Thermodynamik: Wir suchen uns ein der Größe der Party angemessenes Gefäß (Sektkübel, Badewanne). Dort hinein kippen wir zur Hälfte Wasser, zur anderen Hälfte Eiswürfel. Dann die zu kühlenden Flaschen hineingeben und reichlich Kochsalz unterrühren. Durch das Salz schmilzt das Eis schneller (kennen wir von vereisten Straßen und Wegen), die benötigte Energie wird den Bierflaschen entzogen. Denn Wärmeleitung findet immer vom wärmeren zum kälteren Medium statt. Bereits nach wenigen Minuten ist das Bier kalt. Das lässt sich sogar mehrmals wiederholen. Eine korrekte Trinktemperatur ist so natürlich nur schwerlich zu erreichen, diese hat sich aber bei Parties ohnehin als sekundär herausgestellt, geht es doch hier meist eher um Mengenverarbeitung als um Genuss.

Fangen wir mit dem meistgetrunkenen Stil an, dem Pilsener. Vom Fass wird es in der Gastronomie zwischen 7° und 9° C ausgeschenkt,meist eher in Richtung 7° C. Pils sollte im Kühlschrank also im mittleren Fach gekühlt werden. Weiter unten, in der Tür oder im Gemüsefach, ist es zu kalt. Generell wird häufig der Fehler begangen, Biere zu Hause zu kalt zu servieren.
Die optimale Trink-Temperatur.
Hier kannst Du einen einfachen Test machen, um Dich von den Unterschieden zu überzeugen: Nimm zwei Flaschen einer beliebigen Biersorte und lege eine in das oberste Fach des Kühlschranks und eine in das Gemüsefach. Wenn sie gut durchgekühlt sind, sollte das erste Bier etwa 9° C haben, das zweite 5° C. Nun schenke sie in zwei geeignete Gläser ein, rieche und probiere. Das wärmere Bier riecht und schmeckt voller und intensiver.

Einige Experten sind der Ansicht, dass Bier grundsätzlich bei 15° C getrunken werden sollte, weil dann die Fehl­aromen am deutlichsten werden. Das mag bei Sensorik-Tests oder professionellen Verkostungen zutreffen, geht aber doch sehr am Alltag vorbei. Schließlich will der Bierliebhaber ja sein Getränk einfach genießen und nicht nach Fehlaromen durchforsten. Ein Pils, das bei 15° C getrunken wird, verschafft auch nicht sonderlich viel Vergnügen. Die Temperatur von 7° C bis 9° C ist grundsätzlich eine gute Orientierung für die gängigsten Bierstile mit einem Alkoholgehalt um die 5 % vol.

Grundsätzlich kann man sagen: Je dunkler und alkoholhaltiger ein Bier ist, desto wärmer sollte es getrunken werden. Zusätzlich gilt: Je aromatischer es ist, umso eher verträgt es ein, zwei Grad höhere Trinktemperaturen. Bei nachgehopften Sorten sollte man auf jeden Fall die Flasche rechtzeitig aus dem Kühlschrank nehmen, damit sie sich ein wenig aufwärmen kann. Denn die zarten Aromen, die Nase und Gaumen erfreuen sollen, entfalten sich deutlich intensiver, wenn das Bier bei 9° C bis 11° C eingeschenkt wird. Die meisten nachgehopften Biere (allen voran das IPA) haben einen höheren Alkoholgehalt, was zusätzlich für die etwas höheren Temperaturen spricht.

In einem aufwändigen Versuch hat die Redaktion getestet, wie schnell sich Bierflaschen bei einer Raumtemperatur von 20° C erwärmen und wie schnell sie andersherum von 20° C herunterkühlen.

Bei den dunkleren Bierstilen steht in der Regel die Malzigkeit im Vordergrund. Karamellnoten, aber auch Aromen von Schokolade, Kaffee, Lakritz oder Trockenobst spielen hier die Hauptrolle. Um sie zur Entfaltung gelangen zu lassen, ist daher ein gewisses „Kühlschrankmanagement“ unerlässlich. Will man solche Biere beispielsweise zum Essen reichen, ist die richtige Temperatur von entscheidender Bedeutung. Schließlich hat man im Idealfall einige Überlegungen angestellt, welches Bier optimal zum Essen passt. Vielleicht war man sogar in einem Fachgeschäft und hat sich beraten lassen. Nun steht das Niedrigtemperatur-gegarte Chateaubriand auf dem Tisch und schnell wird noch der Tripelbock aus dem Kühlschrank geholt – so enttäuschend kann Foodpairing sein. Nimmt man die Flasche aber entsprechend der Tabelle rechtzeitig aus dem Kühlschrank, so steht einem perfekten Genuss nichts entgegen.

Zum Schluss noch ein Tipp: Solltest Du Dich mal verkauft haben und nun Bier zu Hause haben, das nicht sonderlich schmeckt, dann steck es in die Tiefkühltruhe. Bei knapp 0° C wird jedes noch so schlimme Gesöff genießbar.

* Wir haben eine Bierflasche mit Raumtemperatur (ca. 20° C) in das unterste Fach eines Kühlschranks (ca. 7° C) gelegt, und den Temperaturverlauf gemessen. **Nach dem Abkühlen auf 7° C haben wir die Bierflasche bei Raumtemperatur stehen lassen.

* Wir haben eine Bierflasche mit Raumtemperatur (ca. 20° C) in das unterste Fach eines Kühlschranks (ca. 7° C) gelegt, und den Temperaturverlauf gemessen.
**Nach dem Abkühlen auf 7° C haben wir die Bierflasche bei Raumtemperatur stehen lassen.

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