Eines der Gesprächsthemen nicht nur in Berlin, sondern in der gesamten deutschen ­Bierszene ist die Eröffnung der Stone Brewing World Bistro & Gardens berlin. Zum ersten Mal baut eine amerikanische Craft-Brewery eine „Filiale“ in Europa. 

Ein Vergleich: Mit einem Ausstoß von über 300.000 Hektolitern (2014) würde Stone in Deutschland zu den Großbrauereien zu zählen, was mal wieder zeigt, dass sich der Begriff „Craft“ nur sehr ungenügend auf die hiesige Situation übertragen lässt. Wie fing alles an? 1996 gründeten Greg Koch und Steve Wagner die Brauerei, die seitdem eine einzige Erfolgsgeschichte ist. Aktuell gilt sie als neuntgrößte Craft-Brewery in den USA und als eines der am schnellsten wachsenden Privatunternehmen mit über 1000 Angestellten. Das Unternehmen betont dabei immer wieder die philanthropische Grundhaltung. Bereits 2009 wurde bekanntgegeben, dass ein Standort in Europa gesucht wird. 2014 veröffentlichte Greg dann die Pläne – Berlin soll es sein, das Gelände des ehemaligen Gaswerks. Insgesamt werden etwa 25 Millionen investiert, um dem Komplex, der seit 1996 leer stand, neues Leben einzuhauchen. Stone gilt in den USA als sehr umweltfreundlich, das soll auch in Berlin so sein: Über ein Energierückgewinnungssystem sollen beim Brauen 32 Prozent Energie und 23 Prozent Wasser eingespart werden.

Die Brauanlage steht schon in der riesigen Haupthalle – zum Schutz noch gut verpackt. (Foto: Boris Georgiev)

Die Brauanlage steht schon in der riesigen Haupthalle – zum Schutz noch gut verpackt. (Foto: Boris Georgiev)

Baustellenbesichtigung Mitte Februar: Hier steht eine ganze Anzahl von Gebäuden auf über 9000 Quadratmetern. Die alten Gemäuer werden entkernt und aufwändig neu gestaltet. Neben der Haupthalle, die gefühlt mehrere Oktoberfest-Zelte fasst, werden in den anderen Gebäuden Veranstaltungsräume entstehen, eine Bücherei und neben einem Shop für Bier und Merchandise-Artikel natürlich Lager, Abfüllung, Logistik, etc. Derzeit sind etwa 15 Leute angestellt, ist alles in Betrieb, werden es 150 sein. Wenn dieses Magazin erscheint, soll tatsächlich (fast) alles fertig sein. Wie das zu schaffen sein soll, weiß allerdings keiner genau, wenn man sich umsieht: In der Haupthalle steht am einen Ende die 100-hl-Brauanlage. Bereits vormontiert, aber noch gut verpackt, denn der Rest der Halle ist eine einzige Baustelle. Rigipsplatten stapeln sich neben Rohren und Paletten mit Ziegelsteinen, tiefe Spalten im Boden lassen erahnen, wo mal die Bierleitungen langlaufen werden. In den anderen Gebäuden bietet sich ein ähnlicher Anblick. Auch der Biergarten, bei dem Natur- und Pflastersteine verlegt werden, ist nur ansatzweise fertig. An einer Stelle lässt sich die zukünftige Schönheit schon erahnen, eine Ecke weiter ist ein Bagger noch dabei, die alte Teerfläche aufzubrechen. Einzig die Versuchsanlage, die sportliche 10 hl fasst, ist bereits in Betrieb. Da überall drum herum noch gebaut wird, müssen die Brauer mit viel Mühe diesen Gebäudeteil sauber halten. Wenn alles läuft, sollen hier auch Kollaborations-Sude mit anderen Brauereien entstehen.

Ab Juni werden in Deutschland vier Sorten Stone Brew erhältlich sein, auf der großen Anlage gebraut, vom Fass oder aus der Dose*. Zusätzlich wird es immer wieder Sondersude geben, die auf der kleinen Anlage entstehen. Auf der Homepage findet sich ein Kalender, in dem ersichtlich ist, welche Biere wann erhältlich sind.

Pflaster- und Naturstein werden den Biergarten prägen. (Foto: Boris Georgiev)

Pflaster- und Naturstein werden den Biergarten prägen. (Foto: Boris Georgiev)

Wie wird es denn sein, wenn alles fertig ist? Die Halle wird mit etwa 500 Sitzplätze aufwarten. Das Speiseangebot wird sich zusammensetzen aus nachhaltig produzierten und lokalen Produkten. Etwa 50 Biere werden auf der Karte stehen. Nicht alles, was gebraut und angeboten wird, entspricht dem „Reinheitsgebot“.

Natürlich stellt sich die Frage, warum eine amerikanische Brauerei überhaupt einen Standort in Europa haben möchte. Nun, bekanntermaßen ist die Craft-Bier-Welle in England und Skandinavien schon höher geschwappt als in Deutschland, entsprechend groß ist dort der Bierdurst. Da auch in den klassischen Weinländern wie Frankreich, Spanien und Italien Craft Bier deutliche Zuwachsraten erzielt, ist ein Standort, der zentral liegt, natürlich ideal.

Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe #1 von craftbeer. Diese und weitere Ausgaben bekommst du unter in unserem Shop.

Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe #1 von craftbeer. Diese und weitere Ausgaben bekommst du als Print-Heft und PDF in unserem Shop.

Den europaweiten Vertrieb führt Stone als weiteren Grund für die Dosen-Abfüllung an. Diese können vor Ort recycelt werden. Laut Stone ist das unter dem Strich die umweltfreundlichere Variante.

Von verschiedenen Seiten sind Bedenken zu hören, Stone könnte sich zu massiv in den Markt drängen und mit seiner Preispolitik den

deutschen Craft-Brauereien schaden. Ob und inwieweit das zutrifft, wird die Zukunft zeigen.

Aber auch ganz andere Bedenken sind zu hören: Das Gelände liegt, wie der Berliner sagen würde, „jwd“, also janz weit draußen. Von der Endstation der U-Bahn muss man noch mal zehn Minuten laufen.Die Frage ist also, ob das Ganze so ausgelastet sein wird wie geplant. Der Brauerei ist das natürlich egal, aber für Gastronomie, Shop und Veranstaltungsräume könnte das ein Problem werden. Aber auch das wird die Zukunft zeigen.

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