Seit einiger Zeit zählt das an der belgischen Atlantik-Küste in der Klosterbrauerei Sankt Sixtus gebraute „Westvleteren XII“ zu den besten Bieren der Welt. Vielen gilt es sogar als das absolut Beste. Wir waren vor Ort, haben uns unsere zwei Kisten abgeholt und die Chance genutzt mit dem Sprecher des Klosters über das Bier der Biere zu sprechen.

Der Sprecher des Klosters Mark Bode stand uns Rede und Antwort. (Foto: Boris Georgiev)

Der Sprecher des Klosters Mark Bode stand uns Rede und Antwort. (Foto: Boris Georgiev)

Herr Bode, warum muss man das Bier per Telefon bestellen?

Bis 2005 konnten die Leute einfach kommen, um ihr Bier abzuholen. Aber dann hat Ratebeer das Westvleteren XII zum besten Bier der Welt gekürt. Und der Rest der Welt hat es geglaubt – auch ohne selbst probiert zu haben. Dann begann der Hype, angefeuert von den Medien und den Leuten, die nun unbedingt dieses Bier haben wollten. An den Verkaufstagen gab es kilometerlange Staus und Chaos vor Ort. Es musste ein neues System her, andernfalls wäre dieses stille Refugium zu überfüllt. Die Mönche haben sich für das System mit der telefonischen Bestellung entschieden. Ihnen ist klar, dass es kein ideales System ist. Leute, die früher problemlos Bier bekommen haben, sagen, sie bekommen nun keines mehr. Andere, die früher keines bekommen haben, freuen sich hingegen. Die Mönche brauen nur wenig Bier, das ist das erste Problem.

Warum brauen sie so wenig?

Das hat historische Gründe. Früher, in den Vierzigern hatten sie einen Lieferwagen und brachten die Kisten zu den umliegenden Cafés und Bars. Aber dann haben sie sich entschieden: „Wir sind Mönche, keine Brauer. Wir wollen die Vorgehensweise ändern, wie wir mit unserem Bier umgehen.“ Sie haben den Lieferwagen verkauft, wer nun Bier haben wollte, musste herkommen und es selbst abholen. Und sie sagen: „Mit 6000 Hektolitern können wir gut leben, das ist genug.“

War das schon immer so?

Nein früher waren es 4800 Hektoliter, dann wurde 1989 die Anlage modifiziert, was die Brauerei ökonomischer machte. Mit der gleichen Menge an Wasser und Zutaten konnten nun 6000 Hektoliter gebraut werden.

Ist das Bier die einzige Einnahmequelle?

Ja, die einzige. Sie haben berechnet, wie viel Bier sie brauen müssen, damit sie davon leben können. Da kamen sie auf die 4800. Jetzt ist es etwas mehr, aber trotz des Hypes sagen sie, sie wollen nicht zu viel Energie auf das Bier verwenden. Denn in erster Linie sind sie Mönche. Der Tag hat sieben Gebetszeiten in Gemeinschaft, das ist das Wichtigste. Sie sagen: „Wir brauen, um zu leben und leben nicht, um zu brauen.

Vor einigen Jahren haben sie eine große Menge gebraut und in Supermärkten verkauft.

Das alte Kloster war nicht mehr sicher, um sich darin aufzuhalten. Sie konnten entweder ein neues bauen oder das alte restaurieren. Es war ökonomisch sinnvoller, ein neues zu bauen, aber dafür brauchten sie Geld. Daher haben sie einmalig diese Packs gemacht und in verschiedenen Ländern in Supermärkten verkauft. Das half, die neue Abtei zu bauen und zu bezahlen.

Am Morgen des Verkaufsstarts sah es vor den Supermärkten aus, als gäbe es das neue iPhone. Und am Nachmittag habe ich diese Packs für 150 Euro bei Ebay gesehen.

Ja, das war kriminell. Sie haben auch nach einem System gesucht, das Piraten ausschließt. Sie wollen nur an Privatleute verkaufen. Aber es gibt immer Piraten.

Was ist die Aufgabe der Mönche beim Brauprozess?

Derzeit leben hier 19 Mönche. Fünf arbeiten in der Brauerei. Einer ist Direktor der Brauerei, dann der Brauer selbst und drei arbeiten im Verkauf. Die anderen Mönche verrichten andere Tätigkeiten. Geschirr abwaschen, Wände streichen, Gartenarbeit – was so anfällt. Nur wenn die Biere in die Flaschen abgefüllt werden, helfen alle Aktiven mit.

Also machen die Mönche alles selbst?

Da gibt auch Hilfsarbeiter von draußen, die in der Brauerei helfen, aber den eigentlichen Brauprozess machen nur die Mönche. Auch die Qualitätsüberwachung.

Nur 6.000 Hektoliter Bier werden produziert. Zu wenig für die große Nachfrage. (Foto: Boris Georgiev)

Nur 6.000 Hektoliter Bier werden produziert. Zu wenig für die große Nachfrage. (Foto: Boris Georgiev)

Trinken die Mönche das Bier auch?

Ich denk mal. Nein, ich bin sicher. Denn in der Abtei gibt es drei Sorten, das Blonde steht dort auch auf dem Tisch. Das können sie also trinken, wenn sie möchten. Wenn sie Besuch von Bekannten oder der Familie bekommen, können sie auch die anderen trinken.

Wie managen die Mönche den Brauvorgang? Ich habe mir den Zeitplan der sieben Tagesgebete angesehen: Eines ist um 8.30 Uhr, das nächste ist um 14.15 Uhr – da passt nicht unbedingt ein Sud dazwischen.

Die Brauerei ist zur Hälfte computergesteuert. Sie können also für einige Zeit dem Computer die Arbeit überlassen. Aber wenn gebraut wird, ändert sich der Zeitplan der Gebete etwas. Statt 8.30 Uhr dann 7 Uhr. Das Sudhaus hat 40 Hektoliter, so müssen die Mönche nur ein, zwei Mal in zwei Wochen brauen, so dass der Alltag möglichst wenig gestört wird.

Ist bekannt, wer die Rezepte entwickelt hat und wann?

Die Mönche arbeiten eng mit Westmalle zusammen. Alle Trappistenbrauereien helfen einander. Und sie hatten viel Hilfe vom bekanntesten Brau-Mönch von Westmalle, Bruder Thomas. Er half, die verschiedenen Biere zu entwickeln. Das Letzte, das sie entwickelt haben, war das „XII“, das war 1948.

Seit elf Jahren steht das Westvleteren XII nun an der Spitze der Ratebeer-Liste. Fluch oder Segen?

Beides. Die Mönche sind natürlich stolz auf ihr Produkt. Es gibt aber auch Leute, die sauer auf die Mönche sind, weil sie das Bier nicht kaufen können. Alle wollen es haben, es ist aber viel zu wenig da. Es ist also nicht nur ein Segen. Aber würden sie 12.000 Hektoliter machen, wäre das auch nicht genug.

Die meisten der Mönche sind recht alt.

Ja, der jüngste ist in den 40ern, der älteste in den 90ern. Der Brauer ist 58.

Wo sehen Sie das Kloster und das Bier in 20 Jahren?

Wir sehen nichts. Sie müssten die Zukunft planen. Aber sie können nur sagen: Was brauchen wir jetzt? Werden neue Mönche hinzukommen oder nicht? Das hängt davon ab, was in der Kirche passiert. Es hängt davon ab, ob sich junge Menschen für so ein Leben interessieren. Aber für die Klöster gilt: Wenn jemand einem Trappisten-Kloster beitritt, ist er älter als früher. Das ist die zweite Wahl. Und die Gemeinschaften sind internationaler geworden. Wir haben einen Brasilianer, einen Niederländer. Früher war es ein flämisches Kloster. Wird es auch in Zukunft bestehen? Sie wissen es nicht. Sie können nur versuchen, das Leben zu leben, so gut es geht. Sie sagen: „Der Rest liegt bei Gott.“

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