Hopfen als Heilpflanze: Was wirklich dran ist an den gesunden Eigenschaften

Hopfen kennt jeder als Bierzutat. Dass er eine der ältesten Heilpflanzen Mitteleuropas ist, wissen die wenigsten. Dabei wurde er schon in mittelalterlichen Klostergärten gegen Schlaflosigkeit, Nervosität und Magenbeschwerden eingesetzt, lange bevor er zum Markenzeichen des Craft Beers wurde.

Was steckt also wirklich drin, und was davon ist mehr als Folklore?

Was Hopfen enthält

Hopfen ist botanisch gesehen eine Kletterpflanze, deren Dolden beim Brauen verwendet werden. In diesen Dolden stecken mehrere bioaktive Substanzen, die tatsächlich Wirkung entfalten. Die Bitterstoffe Humulon und Lupulon wirken antibakteriell und regen die Verdauung an. Flavonoide sind Antioxidantien, die Zellschutz leisten. Xanthohumol ist ein sekundärer Pflanzenstoff, dem in Studien mögliche entzündungshemmende und sogar krebshemmende Eigenschaften zugeschrieben werden. Und dann sind da noch Phytoöstrogene, pflanzliche Substanzen mit hormonähnlicher Wirkung, die bei Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt werden.

In der Phytotherapie ist Hopfen offiziell anerkannt als mildes Beruhigungsmittel bei Schlafstörungen und innerer Unruhe. Das ist keine Werbung, sondern eine Einschätzung der Europäischen Arzneimittelagentur.

Was das für Biertrinker bedeutet, und was nicht

Hier kommt der ehrliche Teil. Ein Bier zu trinken und dabei nennenswert von Xanthohumol zu profitieren funktioniert nicht. Die Konzentration im Bier ist schlicht zu gering, um medizinisch relevant zu sein. Alkohol relativiert außerdem viele positive Effekte, das lässt sich nicht wegdiskutieren.

Was bleibt: Craft Beer mit hohem Hopfenanteil liefert mehr Bitterstoffe als ein industrielles Pils, und diese regen nachweislich die Verdauung an. Das ist kein Freibrief, aber auch keine leere Behauptung. Wer ein gut gehopftes IPA zum Essen trinkt, tut seinem Verdauungssystem damit durchaus etwas Gutes, in Maßen.

Hopfen abseits vom Bier

Wer die Wirkung des Hopfens ernsthaft nutzen will, kommt an alkoholfreien Anwendungen nicht vorbei. Ein Hopfentee aus getrockneten Hopfenzapfen ist die direkteste Möglichkeit: einfach zuzubereiten, intensiv bitter im Geschmack, und tatsächlich entspannend. Wer es milder mag, kombiniert Hopfen mit Melisse oder Kamille. Bitterstoffe im Craft Beer und Hopfentee-Rezept gibt es hier: Bitterstoffe im Craft Beer

Darüber hinaus gibt es Hopfenkissen, also kleine Kissen gefüllt mit getrockneten Hopfenzapfen, die man neben das Kopfkissen legt. Der ätherische Duft der Zapfen soll beruhigend wirken. Das klingt nach Hausrezept aus dem 19. Jahrhundert, hat aber eine gewisse Evidenz hinter sich. Ein Hopfenbad, also Hopfenextrakt oder Teesud ins Badewasser, ist eine weitere Möglichkeit für einen entspannten Abend.

Hopfen ist außerdem als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich, oft in Kombination mit Baldrian, was die beruhigende Wirkung verstärkt.

Fazit: Eine unterschätzte Pflanze

Hopfen ist keine Wunderdroge, aber er ist auch nicht nur Geschmacksgeber. Wer ihn gezielt und alkoholfrei einsetzt, bekommt eine Pflanze mit echter Wirkung. Wer ihn im Craft Beer genießt, bekommt zumindest die Bitterstoffe und die Aromenvielfalt, die ein Massenbier nicht bieten kann.

Beides hat seinen Platz. Prost auf den Hopfen, aber mit Verstand.

Mehr zum Hopfen findest du in folgendem Beitrag: Hopfensorten im Fokus: Welche passt zu welchem Bierstil? und Hopfen, Malz & Hefe: So entsteht der perfekte Geschmack im Craft Beer

Von Petra

„Bier ist mehr als ein Getränk – es ist Kultur und Handwerk. Auf Craftbeer schreiben wir/ich über Braukunst, Geschmacksvielfalt und die Geschichten hinter besonderen Bieren, die Charakter haben. Dabei geht es auch um Trends, Genuss und Begegnungen, die ein gutes Bier begleiten.“