Die Craftbeer-Szene lebt von Kreativität. Neben besonderen Hopfensorten, ungewöhnlichen Malzen oder Früchten experimentieren manche Brauereien auch mit Craftbeer mit Hanf. Das sorgt regelmäßig für Aufmerksamkeit und wirft Fragen auf: Schmeckt Hanf im Bier überhaupt? Hat er eine berauschende Wirkung? Und warum setzen Brauereien diese ungewöhnliche Zutat ein?

Tatsächlich steht bei Hanfbieren nicht der Rausch im Mittelpunkt, sondern das Aroma. Hanf kann einem Bier würzige, kräuterartige oder leicht harzige Noten verleihen und eröffnet Brauern neue Möglichkeiten, bekannte Bierstile geschmacklich weiterzuentwickeln.

Hanf und Bier – eine ältere Idee als viele vermuten

Obwohl Hanfbier oft wie eine moderne Erfindung wirkt, ist die Verwendung von Hanf keineswegs neu. Die Hanfpflanze begleitet den Menschen seit Jahrhunderten als Nutzpflanze. Fasern wurden für Seile und Stoffe verwendet, Samen dienten als Lebensmittel und auch in der Küche fand Hanf immer wieder Verwendung.

Mit dem Aufschwung der Craftbeer-Bewegung entstand die Idee, Hanf gezielt als geschmackliche Zutat beim Brauen einzusetzen. Heute nutzen einzelne Brauereien Hanfsamen, Hanfblätter oder natürliche Hanfaromen, um ihren Bieren eine besondere Note zu verleihen.

Damit reiht sich Hanf in eine wachsende Zahl außergewöhnlicher Zutaten ein. Welche weiteren Möglichkeiten Brauereien nutzen, zeigt der Beitrag Außergewöhnliche Zutaten im Craftbeer“.

Warum Brauereien mit Hanf experimentieren

Craftbeer zeichnet sich dadurch aus, bekannte Grenzen zu hinterfragen. Während klassische Brauereien häufig auf bewährte Rezepturen setzen, entwickeln Craftbeer-Brauer immer wieder neue Ideen.

Hanf bietet dafür interessante Möglichkeiten. Seine ätherischen Öle erinnern geschmacklich teilweise an Hopfen. Das überrascht nicht, denn Hopfen und Hanf gehören zur gleichen Pflanzenfamilie. Beide besitzen intensive pflanzliche Aromen, die sich gut in Bier einfügen können.

Je nach verwendeter Hanfsorte entstehen Noten von frischen Kräutern, Wald, Kiefer oder einer dezenten Würze. Richtig dosiert ergänzt Hanf den Biergeschmack, ohne ihn zu dominieren.

Hanf, CBD und THC – die Unterschiede

Rund um Hanfbier entstehen häufig Missverständnisse, weil verschiedene Begriffe miteinander vermischt werden.

Hanf bezeichnet zunächst die Pflanze selbst. Für Lebensmittel und Getränke werden meist Bestandteile von Nutzhanf verwendet.

CBD (Cannabidiol) ist ein natürlicher Inhaltsstoff der Hanfpflanze. Ihm werden verschiedene Eigenschaften zugeschrieben, wissenschaftlich sind jedoch nicht alle Wirkungen eindeutig belegt. Einige Hersteller verwenden CBD als Zusatz in Getränken, andere verzichten vollständig darauf.

THC (Tetrahydrocannabinol) ist der berauschende Bestandteil der Cannabispflanze. In herkömmlichen Hanfbieren spielt THC in Deutschland praktisch keine Rolle. Getränke mit berauschender Wirkung unterliegen anderen gesetzlichen Regelungen und gehören nicht zum klassischen Craftbeer-Angebot.

Wer Hanfbier probiert, erlebt deshalb in erster Linie neue Geschmacksnuancen und keine berauschende Wirkung.

Wie schmeckt Craftbeer mit Hanf?

Die Vorstellung, Hanfbier schmecke ausschließlich nach Cannabis, ist auch falsch. Vielmehr hängt das Aroma von der Rezeptur und dem verwendeten Bierstil ab.

Viele Hanfbiere zeigen eine leicht kräuterige Frische. Manche erinnern an frisch geschnittenes Gras oder Kiefernnadeln, andere entwickeln harzige oder würzige Noten. Diese Aromen können besonders gut mit hopfenbetonten Bierstilen harmonieren.

Gerade Pale Ales oder India Pale Ales bieten sich für solche Experimente an, weil ihre Hopfenaromen bereits an Zitrusfrüchte, Kräuter oder Nadelwald erinnern können. Wie unterschiedlich Hopfen den Geschmack beeinflusst, erklärt der Beitrag „Warum schmeckt Craftbeer anders?“.

Welche Bierstile eignen sich besonders gut?

Nicht jeder Bierstil profitiert gleichermaßen von Hanf.

Besonders häufig findet man Hanf in:

Diese Bierstile besitzen genügend Eigenaroma, um die Kräuternoten des Hanfs aufzunehmen, ohne dass das Bier unausgewogen wirkt.

Bei sehr dunklen Bierstilen wie Stout oder Porter treten die kräftigen Röstaromen häufig stärker in den Vordergrund. Dort spielt Hanf meist nur eine untergeordnete Rolle.

Was ist in Deutschland erlaubt?

Die gesetzlichen Vorgaben unterscheiden zwischen Nutzhanf und Produkten mit berauschenden Inhaltsstoffen.

Viele Hanfbiere enthalten ausschließlich Bestandteile von Nutzhanf oder natürliche Hanfaromen und können unter den geltenden lebensmittelrechtlichen Vorschriften hergestellt und verkauft werden. Entscheidend ist dabei, dass alle gesetzlichen Anforderungen eingehalten werden.

Für Verbraucher bedeutet das: Wer ein Hanfbier kauft, erhält in der Regel ein Bier mit einer besonderen Geschmacksnote und kein Getränk mit berauschender Wirkung. Außer dem Alkohol sollte es nicht alkohlfrei sein.

Da sich gesetzliche Regelungen ändern können, sollten Hersteller und Verbraucher stets die jeweils aktuellen Vorschriften beachten.

Warum Hanfbier ein Nischenprodukt bleibt

Hanfbiere sorgen regelmäßig für Aufmerksamkeit, gehören aber weiterhin zu den Spezialitäten der Craftbeer-Szene.

Das liegt zum einen am ungewöhnlichen Geschmack, der nicht jeden Biertrinker anspricht. Zum anderen sind Entwicklung und Herstellung aufwendiger als bei klassischen Rezepturen. Viele Brauereien produzieren Hanfbier deshalb nur in kleinen Mengen oder als saisonale Spezialität.

Gerade das macht für viele Craftbeer-Fans den Reiz aus. Sie möchten neue Aromen entdecken und Bierstile kennenlernen, die sich deutlich vom Standardsortiment unterscheiden.

Lohnt es sich, Hanfbier zu probieren?

Wer gerne neue Bierstile entdeckt, findet in Hanfbieren eine interessante Ergänzung. Sie zeigen, wie vielfältig Craftbeer sein kann und dass auch ungewöhnliche Zutaten sinnvoll eingesetzt werden können.

Dabei sollte allerdings nicht die Erwartung im Vordergrund stehen, etwas Spektakuläres oder Außergewöhnliches im Sinne einer besonderen Wirkung zu erleben. Der eigentliche Reiz liegt vielmehr in den feinen Kräuter- und Hopfennoten, die den Charakter eines Bieres auf interessante Weise verändern können.

Wie bei allen Craftbieren gilt auch hier: Nicht jede Brauerei verfolgt denselben Ansatz. Unterschiede in Rezeptur und Brauweise sorgen dafür, dass sich Hanfbiere geschmacklich deutlich voneinander unterscheiden können.

Fazit

Craftbeer mit Hanf zeigt, wie experimentierfreudig moderne Brauereien arbeiten. Hanf dient dabei nicht als Blickfang, sondern als geschmackliche Zutat, die Kräuter-, Harz- und Waldnoten ins Bier bringen kann.

Wer Hanfbier probiert, entdeckt keine völlig neue Bierwelt, aber eine spannende Variante innerhalb der Craftbeer-Szene. Für neugierige Bierliebhaber, die außergewöhnliche Zutaten schätzen, kann Hanfbier deshalb eine interessante Erfahrung sein – nicht wegen einer vermeintlichen Wirkung, sondern wegen seines besonderen Aromas.


Von Toni

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