Craftbeer und Antioxidantien: Was steckt wirklich dahinter?

Craftbeer enthält wie anderes Bier auch verschiedene Pflanzenstoffe, darunter Polyphenole. Diese stammen unter anderem aus Malz und Hopfen und können antioxidative Eigenschaften besitzen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Craftbeer ein gesundes Getränk ist oder dass die enthaltenen Polyphenole die gesundheitlichen Risiken von Alkohol ausgleichen.

Interessant ist das Thema trotzdem. Denn Hopfen und Malz bringen weit mehr ins Bier als nur Geschmack und Aroma. Sie enthalten eine Vielzahl verschiedener Verbindungen, die während des Brauprozesses teilweise verändert werden und zum Charakter des fertigen Bieres beitragen.

Hopfen im Craftbeer

Was sind Antioxidantien?

Der Begriff Antioxidantien wird häufig verwendet, wenn es um Ernährung und sogenannte freie Radikale geht. Zu den Stoffgruppen mit antioxidativen Eigenschaften gehören unter anderem bestimmte Polyphenole.

Polyphenole kommen natürlicherweise in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Auch Getreide und Hopfen enthalten solche Verbindungen. Beim Bier gelangen deshalb ebenfalls Polyphenole aus den Rohstoffen in das fertige Getränk.

Dabei ist allerdings wichtig, zwischen dem Nachweis eines Stoffes in einem Lebensmittel und einer konkreten gesundheitlichen Wirkung beim Menschen zu unterscheiden. Nur weil ein Getränk bestimmte Polyphenole enthält, wird es dadurch nicht automatisch zu einem gesundheitsfördernden Lebensmittel.

Woher kommen die Polyphenole im Bier?

Eine wichtige Quelle ist der Hopfen. Die Hopfenpflanze enthält zahlreiche Polyphenole und andere pflanzliche Inhaltsstoffe. Auch das verwendete Malz trägt zu den Polyphenolen im Bier bei.

Wie viel davon letztlich im fertigen Bier vorhanden ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem Rohstoffe, Rezeptur, Hopfengabe, Brauverfahren und Verarbeitung. Regionale Zutaten im Bier: Die Herkunft der Zutaten beeinflusst den Geschmack

Deshalb lässt sich auch nicht einfach sagen: Je mehr Hopfen, desto gesünder das Bier.

Ein stark gehopftes IPA kann zwar viele Hopfenbestandteile enthalten, daraus folgt aber kein gesundheitlicher Vorteil.

Bierstile

Hat Craftbeer mehr Antioxidantien als Industriebier?

Diese Frage klingt zunächst naheliegend. Viele Craftbeer Stile arbeiten mit großen Hopfengaben, speziellen Hopfensorten oder Verfahren wie Dry Hopping.

Trotzdem wäre es falsch, Craftbeer pauschal einen höheren Gehalt an Polyphenolen zuzuschreiben. Craftbeer ist keine einheitliche Kategorie. Ein leichtes Lagerbier, ein Pale Ale, ein IPA und ein Imperial Stout unterscheiden sich bei Rezeptur und Herstellung erheblich.

Auch große Brauereien können hopfenbetonte Biere herstellen. Umgekehrt muss ein Craftbeer nicht besonders stark gehopft sein.

Der Unterschied zwischen Craftbeer und Industriebier lässt sich deshalb nicht sinnvoll allein über den Polyphenolgehalt erklären.

Und was ist mit dem Alkohol?

Hier liegt der entscheidende Punkt.

Bier enthält bei den meisten Sorten Alkohol. Und Alkohol wird durch vorhandene Polyphenole nicht harmlos.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung kommt in ihrer aktuellen Position zu dem Schluss, dass es keinen gesundheitlich risikofreien Alkoholkonsum gibt und empfiehlt, auf alkoholische Getränke zu verzichten. Auch die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass Alkohol selbst gesundheitliche Risiken verursacht – unabhängig davon, ob er in Bier, Wein oder einem anderen alkoholischen Getränk enthalten ist.

Damit erledigt sich auch die Vorstellung vom „gesunden Craftbeer“.

Die interessanten Inhaltsstoffe von Hopfen und Malz sind ein Bestandteil des Bieres. Sie machen Alkohol aber nicht zu einem Gesundheitsprodukt.

Antioxidantien sind kein Freibrief

Hier sollte man bei vielen Aussagen im Internet vorsichtig sein.

Wenn ein Bier Polyphenole enthält, bedeutet das nicht, dass man damit gezielt seinen Bedarf an antioxidativ wirkenden Pflanzenstoffen decken sollte. Dafür gibt es wesentlich geeignetere Lebensmittel und Getränke, die keinen Alkohol enthalten. Hopfen als Heilpflanze

Obst, Gemüse, Tee oder andere pflanzliche Lebensmittel liefern ebenfalls zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe.

Craftbeer sollte deshalb aus einem anderen Grund im Glas landen: wegen seines Geschmacks, seiner Aromen und der handwerklichen Herstellung.

Was macht das Thema trotzdem interessant?

Die Inhaltsstoffe von Hopfen und Malz sind durchaus spannend für alle, die sich intensiver mit Bier beschäftigen.

Hopfen ist schließlich nicht nur für Bitterkeit verantwortlich. Verschiedene Hopfensorten bringen eine Vielzahl von Aromastoffen und weiteren Pflanzenstoffen mit. Beim Brauen treffen diese auf die Bestandteile des Malzes und die Produkte der Gärung.

Am Ende entsteht daraus ein Getränk, dessen Zusammensetzung deutlich komplexer ist, als es ein Blick auf die vier klassischen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe zunächst vermuten lässt.

Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf die Rohstoffe – aber ohne daraus gesundheitliche Versprechen abzuleiten.

Craftbeer aus gesundheitlichen Gründen trinken?

Nein.

Wer Craftbeer trinkt, weil es ihm schmeckt, unterschiedliche Bierstile kennenlernen möchte oder sich für Braukunst interessiert, hat gute Gründe für dieses Hobby.

Wer dagegen versucht, mit einem IPA oder Stout möglichst viele Antioxidantien aufzunehmen, wählt dafür nicht den sinnvollsten Weg.

Die möglichen positiven Eigenschaften einzelner Inhaltsstoffe ändern nichts daran, dass alkoholisches Bier Alkohol enthält. Das gilt für ein handwerklich gebrautes IPA genauso wie für ein industriell gebrautes Pils.

Fazit

Craftbeer enthält Polyphenole und andere pflanzliche Inhaltsstoffe aus Hopfen und Malz. Einige dieser Verbindungen besitzen antioxidative Eigenschaften. Das macht Craftbeer jedoch nicht zu einem gesunden Getränk.

Auch lässt sich nicht pauschal behaupten, dass Craftbeer mehr Antioxidantien enthält als industriell gebrautes Bier. Dafür sind die Unterschiede zwischen einzelnen Rezepturen und Herstellungsverfahren zu groß.

Der interessante Punkt liegt deshalb nicht in einem vermeintlichen Gesundheitsbonus. Spannender ist, wie Hopfen, Malz, Hefe und Brauverfahren die Zusammensetzung und den Geschmack des Bieres beeinflussen.

Craftbeer darf ein Genussmittel sein. Es muss kein Gesundheitsprodukt werden.

Häufige Fragen

Enthält Craftbeer Antioxidantien?

Bier enthält unter anderem Polyphenole aus Hopfen und Malz. Einige dieser Pflanzenstoffe besitzen antioxidative Eigenschaften.

Ist Craftbeer deshalb gesund?

Nein. Der Nachweis von Polyphenolen macht ein alkoholisches Getränk nicht zu einem gesundheitsfördernden Lebensmittel.

Enthält Craftbeer mehr Polyphenole als normales Bier?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Rezeptur, Hopfensorte, Malz, Brauverfahren und Verarbeitung beeinflussen den Gehalt.

Sind besonders hopfenreiche Biere gesünder?

Nein. Mehr Hopfen bedeutet nicht automatisch einen gesundheitlichen Vorteil.

Können Antioxidantien die Wirkung von Alkohol ausgleichen?

Nein. Die in Bier enthaltenen Polyphenole machen den enthaltenen Alkohol nicht unschädlich. Für Alkohol gibt es nach aktuellem Stand keinen gesundheitlich risikofreien Konsum.

Sollte man Craftbeer wegen der Polyphenole trinken?

Nein. Wenn es um Polyphenole und andere sekundäre Pflanzenstoffe geht, sind alkoholfreie pflanzliche Lebensmittel und Getränke die sinnvollere Quelle.

Von Petra

„Bier ist mehr als ein Getränk – es ist Kultur und Handwerk. Auf Craftbeer schreiben wir/ich über Braukunst, Geschmacksvielfalt und die Geschichten hinter besonderen Bieren, die Charakter haben. Trends, Genuss und Begegnungen, die ein gutes Bier begleiten.

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