New England IPA: Der fruchtige Bierstil mit wenig Bitterkeit

Wer zum ersten Mal ein New England IPA ins Glas bekommt, wundert sich häufig über sein Aussehen. Statt klar und goldgelb erscheint das Bier trüb und erinnert fast an Fruchtsaft. Dazu kommen intensive Aromen von Mango, Maracuja, Ananas oder Zitrusfrüchten, während die für klassische India Pale Ales typische Bitterkeit deutlich zurücktritt.

Genau diese Kombination hat das New England IPA (NEIPA) innerhalb weniger Jahre zu einem der beliebtesten Bierstile der Craftbeer-Szene gemacht. Doch wodurch unterscheidet sich dieser Stil vom klassischen IPA und warum ist er so aromatisch?

Was ein NEIPA von einem klassischen IPA unterscheidet

Ein klassisches West Coast IPA ist klar, trocken und deutlich bitter. Das NEIPA verfolgt einen anderen Ansatz. Es wird bewusst unfiltriert gebraut, besitzt eine milchig-trübe Farbe und legt den Schwerpunkt auf intensive Fruchtaromen statt auf kräftige Bitterkeit.

Bitterstoffe im Craftbeer: Welche Rolle Hopfen spielt

Die Trübung entsteht durch den Einsatz von Hafer- und Weizenmalz sowie spezielle Hefestämme. Zusammen sorgen sie für das typische weiche, fast cremige Mundgefühl.

Entscheidend ist aber vor allem die Art der Hopfung. Ein großer Teil des Hopfens wird erst während oder nach der Gärung zugegeben. Dieses Verfahren nennt man Hopfenstopfen oder Dry Hopping.

Hopfenstopfen: Warum ein NEIPA so fruchtig duftet

Beim Hopfenstopfen wird Hopfen nicht hauptsächlich dazu eingesetzt, Bitterkeit in das Bier zu bringen. Stattdessen stehen die Aromen und Duftstoffe des Hopfens im Mittelpunkt.

Dafür kommen Aromahopfen zum Einsatz, deren ätherische Öle intensive Eindrücke von Zitrusfrüchten, tropischen Früchten, Beeren oder anderen Aromen vermitteln können. Beim NEIPA werden diese Hopfennoten besonders stark herausgearbeitet.

Der Zeitpunkt ist entscheidend: Wird der Hopfen erst nach dem Kochen oder während beziehungsweise nach der Gärung zugegeben, werden die empfindlichen Aromastoffe anders genutzt als bei einer frühen Hopfengabe. Das Bier bekommt dadurch seinen charakteristischen intensiven Hopfenduft, ohne dass die Bitterkeit im gleichen Maß zunimmt.

Genau deshalb kann ein NEIPA gleichzeitig extrem aromatisch und vergleichsweise mild in der Bitterkeit wirken.

Welche Hopfensorten werden verwendet?

Typisch sind moderne Aromahopfen wie Citra, Mosaic, Galaxy oder El Dorado. Sie bringen unterschiedliche Duft- und Geschmackseindrücke mit und werden von Brauern häufig miteinander kombiniert.

Welche Aromen am Ende tatsächlich im Glas landen, hängt allerdings nicht allein von der Hopfensorte ab. Auch Menge, Zeitpunkt der Hopfengabe, Hefe, Malz und die Herstellung spielen eine Rolle.

Hopfen, Malz & Hefe im Craftbeer: Das Zusammenspiel der Brauzutaten

Was ist ein Hopfentorpedo?

Beim Hopfentorpedo handelt es sich um ein Verfahren beziehungsweise eine Vorrichtung, mit der Hopfen nach der eigentlichen Würzekochung intensiv mit dem Bier in Kontakt gebracht werden kann.

Der Name beschreibt dabei bereits die Form der verwendeten Vorrichtung. Hopfen wird in einen separaten Behälter eingebracht und anschließend vom Bier durchströmt beziehungsweise mit ihm in Kontakt gebracht.

Das Ziel ist auch hier, möglichst viele Hopfenaromen in das Bier zu bekommen. Der Hopfentorpedo ist damit eng mit der Idee des Hopfenstopfens verbunden, aber nicht mit diesem Begriff gleichzusetzen. Hopfenstopfen beschreibt vor allem die Zugabe von Hopfen zu einem späteren Zeitpunkt, während ein Hopfentorpedo eine konkrete technische Möglichkeit dafür sein kann.

Gerade bei hopfenbetonten Bieren wie NEIPA spielt die intensive Aromagewinnung eine wichtige Rolle.

Die Geschichte des NEIPA

Seinen Ursprung hat das New England IPA im Nordosten der USA. Ende der 2000er-Jahre begannen kleine Brauereien in Neuengland, traditionelle India Pale Ales neu zu interpretieren.

Als einer der Wegbereiter gilt die Brauerei The Alchemist im US-Bundesstaat Vermont. Ihr berühmtes Heady Topper zeigte, dass ein IPA nicht zwangsläufig klar und bitter sein musste.

Innerhalb weniger Jahre verbreitete sich der Bierstil weltweit. Heute gehört das New England IPA zu den festen Größen der internationalen Craftbeer-Szene und wird von zahlreichen Brauereien weiterentwickelt.

Auch deutsche Craftbeer-Brauereien haben den Stil aufgegriffen und mit eigenen Ideen ergänzt.

Double und Triple NEIPA

Neben dem klassischen NEIPA entstanden weitere Varianten.

Ein Double New England IPA (DNEIPA) besitzt meist einen höheren Alkoholgehalt sowie noch intensivere Hopfenaromen.

Beim Triple NEIPA werden Alkoholgehalt, Malzkörper und Hopfenmenge nochmals gesteigert. Trotz des höheren Alkoholgehalts können diese Biere erstaunlich weich und fruchtig wirken.

Gerade deshalb empfiehlt sich ein bewusster Genuss. Die intensive Aromatik lässt den Alkohol häufig milder erscheinen, als er tatsächlich ist.

Warum bleibt ein NEIPA nicht lange frisch?

Kaum ein anderer Bierstil reagiert so empfindlich auf Sauerstoff, Licht und längere Lagerung wie ein stark hopfenbetontes New England IPA.

Die frischen Hopfenaromen bauen sich vergleichsweise schnell ab. Gleichzeitig verändert sich der Geschmack und die typischen Fruchtnoten verlieren an Intensität.

Deshalb lohnt sich beim Kauf ein Blick auf das Abfülldatum. Je frischer ein New England IPA ist, desto besser zeigt es seine charakteristischen Hopfenaromen.

Auch zu Hause sollte das Bier möglichst kühl und lichtgeschützt gelagert werden.

Worauf beim Kauf achten?

Neben dem Abfülldatum lohnt sich ein Blick auf die verwendeten Hopfensorten. Citra, Mosaic, Galaxy oder El Dorado können bereits einen Hinweis darauf geben, welche Aromen zu erwarten sind.

Auch das richtige Bierglas trägt zum Geschmackserlebnis bei. Ein Teku-Glas oder ein spezielles IPA-Glas bündelt die Aromen und bringt sie besser zur Geltung als das Trinken direkt aus der Flasche oder Dose.

Wozu passt ein New England IPA?

Durch seine intensive Fruchtigkeit und die geringere Bitterkeit eignet sich ein New England IPA hervorragend als Begleiter zu aromatischen Speisen.

Besonders gut kann es zu asiatischen Gerichten, Thai-Curry, Tacos, Sushi, Burgern oder Käse passen.

Weniger geeignet ist der Bierstil zu sehr kräftigen Röstaromen oder stark geräucherten Speisen. Hier können andere Bierstile harmonischer wirken.

Mehr über die Verbindung von Bier und Essen gibt es beim Bier-Pairing.

Für wen eignet sich ein New England IPA?

Viele Bierfreunde entdecken über das New England IPA erstmals die Welt hopfenbetonter Craftbiere.

Während klassische IPAs manchen Einsteigern zunächst zu bitter erscheinen, überzeugt das NEIPA mit seiner weichen Textur und den ausgeprägten Fruchtaromen.

Wer trockene, deutlich bittere Biere bevorzugt, wird dagegen häufig weiterhin zum klassischen West Coast IPA greifen. Beide Stile zeigen auf unterschiedliche Weise, wie vielseitig India Pale Ales sein können.

Fazit

Das New England IPA hat das Bild vom IPA ordentlich verändert. Trübung, intensive Fruchtaromen und eine vergleichsweise zurückhaltende Bitterkeit machen es zu einem eigenständigen Biererlebnis.

Besonders spannend ist dabei die Hopfung: Hopfenstopfen bringt die Aromaseite des Hopfens in den Mittelpunkt und erklärt zu einem großen Teil, warum ein NEIPA so intensiv nach tropischen Früchten und Zitrus duften kann.

Wer diesen Bierstil frisch probiert, bekommt deshalb nicht einfach ein weniger bitteres IPA, sondern eine ganz andere Interpretation dessen, was Hopfen im Bier leisten kann.

Häufige Fragen

Was bedeutet NEIPA?

NEIPA steht für New England India Pale Ale. Der Bierstil ist für seine Trübung, intensive Fruchtaromen, weiche Textur und vergleichsweise geringe Bitterkeit bekannt.

Warum ist ein NEIPA trüb?

Für die typische Trübung sorgen unter anderem Hafer- und Weizenmalz, spezielle Hefestämme und das unfiltrierte Brauverfahren.

Was ist Hopfenstopfen?

Beim Hopfenstopfen, auch Dry Hopping genannt, wird Hopfen zu einem späteren Zeitpunkt der Bierherstellung zugegeben. Dabei stehen vor allem die Hopfenaromen im Vordergrund.

Was ist ein Hopfentorpedo?

Ein Hopfentorpedo ist eine Vorrichtung, mit der Hopfen intensiv mit dem Bier in Kontakt gebracht werden kann. Er wird unter anderem zur Gewinnung von Hopfenaromen eingesetzt.


Von Petra

„Bier ist mehr als ein Getränk – es ist Kultur und Handwerk. Auf Craftbeer schreiben wir/ich über Braukunst, Geschmacksvielfalt und die Geschichten hinter besonderen Bieren, die Charakter haben. Trends, Genuss und Begegnungen, die ein gutes Bier begleiten.

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