Bier und Gesundheit sind ein Thema voller widersprüchlicher Aussagen. Hopfen soll beruhigen, Bier soll Vitamine enthalten und ein Bier am Abend soll angeblich sogar gut für das Herz sein. Hopfen und Gesundheit? Gleichzeitig liefert Bier Alkohol und Kalorien, und beides sollte man bei solchen Aussagen nicht einfach ausblenden.
Rund um Bier haben sich deshalb zahlreiche Mythen entwickelt. Manche stammen aus alten Vorstellungen, andere aus einzelnen wissenschaftlichen Beobachtungen und wieder andere halten sich einfach, weil sie immer wieder weitererzählt werden.
Ein genauer Blick lohnt sich. Denn dass Hopfen und Malz interessante Inhaltsstoffe enthalten, bedeutet noch lange nicht, dass alkoholisches Bier deshalb ein gesundes Getränk ist.
Mythos 1: Bier macht automatisch einen Bierbauch
Den „Bierbauch“ kennt vermutlich jeder als Begriff. Tatsächlich kann regelmäßiger Bierkonsum zur Gewichtszunahme beitragen, denn Bier liefert sowohl Alkohol als auch Energie aus weiteren Bestandteilen des Getränks.
Allein das Bier ist jedoch nicht für jeden Bauch verantwortlich. Entscheidend ist die gesamte Energiebilanz. Wer regelmäßig größere Mengen Alkohol trinkt und dazu reichlich isst, nimmt entsprechend mehr Energie auf.
Auch die typischen Begleiter spielen eine Rolle: Chips, Erdnüsse, deftige Speisen oder Süßigkeiten verschwinden beim geselligen Bierabend schnell nebenbei.
Der Begriff „Bierbauch“ ist deshalb eher eine einfache Bezeichnung für ein bekanntes Problem als eine medizinische Erklärung.
Mythos 2: Hopfen und Malz machen Bier gesund
Hier wird es interessant.
Hopfen und Malz enthalten tatsächlich verschiedene Inhaltsstoffe, darunter Polyphenole. Hopfen enthält außerdem zahlreiche Pflanzenstoffe, die wissenschaftlich untersucht werden. Hopfen wird traditionell auch mit beruhigenden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Hopfen als Heilpflanze
Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass Bier ein gesundheitsförderndes Getränk ist.
Denn beim Bier kommt zu den Inhaltsstoffen aus Hopfen und Malz der Alkohol hinzu. Und Alkohol ist nicht gesundheitlich neutral. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass Alkoholkonsum mit mehr als 200 gesundheitlichen Beeinträchtigungen verbunden ist und bereits geringe Mengen Risiken mit sich bringen können.
Die interessante Wirkung einzelner Bestandteile des Bieres sollte deshalb nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung des gesamten Getränks verwechselt werden.
Mythos 3: Ein Bier hilft beim Einschlafen
Dass Bier müde machen kann, stimmt durchaus. Alkohol wirkt auf das zentrale Nervensystem und kann dazu führen, dass man schneller einschläft.
Damit ist Bier aber noch lange kein gutes Schlafmittel.
Alkohol kann die Schlafqualität beeinträchtigen und zu einem weniger erholsamen Schlaf führen. Wer regelmäßig Alkohol benutzt, um besser einzuschlafen, schafft sich damit eher ein neues Problem als eine gute Abendroutine.
Das Feierabendbier kann also durchaus entspannend wirken. Als Einschlafhilfe sollte man es trotzdem nicht betrachten.
Mythos 4: Ein Bier am Tag ist gut fürs Herz
Dieser Satz hat sich besonders hartnäckig gehalten.
Frühere Beobachtungsstudien wurden teilweise so interpretiert, dass Menschen mit moderatem Alkoholkonsum ein geringeres Risiko für bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen hätten. Inzwischen wird diese Interpretation deutlich kritischer betrachtet.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung stellt heute klar: Es gibt keine gesundheitlich sichere und zugleich gesundheitsfördernde Alkoholmenge. Sie empfiehlt deshalb, auf alkoholische Getränke zu verzichten. Alkohol soll insbesondere nicht zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfohlen werden.
Damit ist der Satz „Bier ist gut fürs Herz“ als Gesundheitsargument nicht haltbar.
Wer Bier trinkt, sollte es deshalb trinken, weil er Bier genießen möchte nicht, weil er seinem Herzen damit etwas Gutes tun will.
Mythos 5: Wenig Alkohol bedeutet automatisch wenig Risiko
Ein Bier mit drei Prozent Alkohol enthält weniger Alkohol als ein Bier mit sechs Prozent. Das ist zunächst einmal richtig.
Daraus folgt aber nicht, dass beliebig viele leichte Biere unproblematisch sind.
Die Alkoholmenge summiert sich. Außerdem wird ein leichtes Bier möglicherweise schneller getrunken oder in größerer Menge konsumiert, gerade weil es als „leicht“ wahrgenommen wird.
Die DGE spricht deshalb nicht von einer völlig risikofreien Menge. Für gesunde Erwachsene, die trotzdem Alkohol trinken, nennt sie inzwischen 1 bis 2 kleine Flaschen oder kleine Gläser pro Woche als Bereich mit niedrigem Risiko. Mehr als 2 bis 6 solcher Getränke pro Woche wird bereits mit einem moderaten Krankheitsrisiko verbunden.
Das ist etwas völlig anderes als die früher verbreitete Vorstellung eines täglich gesundheitlich unbedenklichen Bieres.
Alkoholfreies Bier – Alkoholgehalt 0,0 % oder 0,5 %? Was alkoholfrei wirklich bedeutet
Mythos 6: Alkoholfreies Bier ist automatisch gesund
Hier lohnt sich ebenfalls ein genauer Blick.
Alkoholfreies Bier hat einen entscheidenden Vorteil: Es enthält keinen oder nur sehr wenig Alkohol, abhängig von der jeweiligen Kennzeichnung. Damit entfällt der wichtigste gesundheitlich problematische Bestandteil alkoholischer Biere.
Trotzdem bleibt alkoholfreies Bier ein Getränk und kein Gesundheitsprodukt. Je nach Sorte können weiterhin Kohlenhydrate und Kalorien enthalten sein.
Für den bewussten Biergenuss kann alkoholfreies Craftbeer trotzdem eine interessante Alternative sein – vor allem dann, wenn Geschmack und Biererlebnis im Mittelpunkt stehen, nicht der Alkohol.
Mythos 7: Bier „reinigt“ den Körper
Bier wirkt harntreibend. Das liegt vor allem am Alkohol.
Daraus entstand vermutlich die Vorstellung, Bier könne den Körper „durchspülen“ oder Schadstoffe ausscheiden.
Das ist allerdings keine sinnvolle Beschreibung dessen, was im Körper passiert. Die Entgiftung übernehmen vor allem Leber und Nieren. Mehr Wasserlassen bedeutet nicht automatisch, dass der Körper von Schadstoffen gereinigt wird.
Wer Alkohol trinkt, sollte deshalb zusätzlich auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
Und was ist nun mit dem Hopfen?
Hopfen bleibt trotzdem ein spannender Bestandteil des Bieres.
Die Pflanze enthält eine Vielzahl von Inhaltsstoffen und wird seit langer Zeit auch außerhalb des Bierbrauens genutzt. Bestimmte Hopfenbestandteile werden wissenschaftlich untersucht, unter anderem im Zusammenhang mit ihren antioxidativen und beruhigenden Eigenschaften.
Das macht Hopfen interessant aber es macht Bier nicht zum Gesundheitsmittel.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einem interessanten Rohstoff und einer gesundheitlichen Empfehlung.
Wer mehr über die Inhaltsstoffe von Hopfen erfahren möchte, findet deshalb im Thema Hopfen & Gesundheit durchaus interessante Aspekte. Man sollte dabei aber immer zwischen der Pflanze Hopfen, einzelnen Inhaltsstoffen und dem fertigen alkoholischen Getränk unterscheiden.
Was bleibt vom Mythos übrig?
Bei vielen alten Bierweisheiten steckt ein kleiner wahrer Kern dahinter.
Hopfen enthält interessante Pflanzenstoffe. Bier enthält bestimmte Nährstoffe. Alkohol kann kurzfristig entspannen und müde machen. Ein leichtes Bier enthält weniger Alkohol als ein starkes.
Aus diesen einzelnen Beobachtungen wurden jedoch häufig sehr weitreichende Aussagen gemacht: Bier sei gesund, helfe beim Schlafen, schütze das Herz oder könne den Körper reinigen.
Genau dort beginnt der Mythos.
Fazit: Bier genießen, aber nicht gesundreden
Bier muss nicht schlechtgeredet werden, um die gesundheitlichen Risiken von Alkohol ernst zu nehmen.
Craftbeer kann ein interessantes Genussmittel sein. Unterschiedliche Hopfensorten, Malze, Hefen und Brauverfahren machen Bier zu einem vielseitigen Getränk. Auch Hopfen selbst ist eine faszinierende Pflanze mit zahlreichen Inhaltsstoffen.
Das bedeutet aber nicht, dass alkoholisches Bier gesund ist.
Die heutige wissenschaftliche und gesundheitspolitische Einordnung ist deutlich: Alkohol ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden, und eine risikofreie Menge gibt es nicht. Die DGE empfiehlt deshalb grundsätzlich, auf Alkohol zu verzichten.
Wer trotzdem Bier trinkt, sollte es deshalb als das betrachten, was es ist: ein Genussmittel und kein Gesundheitsprodukt.
Vielleicht ist das sogar die angenehmste Art, damit umzugehen. Man muss dem Bier keine heilende Wirkung zuschreiben, damit ein gutes Craftbeer Spaß machen darf.
FAQ: Bier und Gesundheit
Ist Hopfen gesund?
Hopfen enthält verschiedene Pflanzenstoffe, darunter Polyphenole und Bitterstoffe. Einzelne Inhaltsstoffe werden wissenschaftlich untersucht. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeine gesundheitliche Wirkung von alkoholischem Bier ableiten.
Ist ein Bier am Tag gesund?
Nein. Die frühere Vorstellung, ein tägliches Bier könne gesundheitlich förderlich sein, entspricht nicht der aktuellen Einordnung der DGE. Sie empfiehlt grundsätzlich, auf Alkohol zu verzichten.
Macht Bier dick?
Bier kann zur Gewichtszunahme beitragen, weil es Energie liefert und Alkohol zudem den Appetit und das Essverhalten beeinflussen kann. Entscheidend ist letztlich die gesamte Energieaufnahme.
Hilft Bier beim Einschlafen?
Alkohol kann das Einschlafen erleichtern, verbessert aber nicht automatisch die Schlafqualität. Als regelmäßiges Schlafmittel ist Bier deshalb keine gute Lösung.
Ist alkoholfreies Bier besser?
Alkoholfreies Bier vermeidet den größten gesundheitlichen Nachteil alkoholischer Biere: den Alkohol. Es kann deshalb eine interessante Alternative sein, ist aber nicht automatisch kalorienarm oder besonders gesund.
Ist Bier gut fürs Herz?
Bier sollte nicht zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen getrunken werden. Die aktuellen Empfehlungen sehen keinen gesundheitlichen Vorteil darin, Alkohol zu konsumieren.
Kann Bier den Körper entgiften?
Nein. Die harntreibende Wirkung von Alkohol bedeutet keine Entgiftung. Leber und Nieren übernehmen die wesentlichen Aufgaben bei der Verarbeitung und Ausscheidung von Stoffwechselprodukten.
Enthält Bier Antioxidantien?
Ja, Bier kann Polyphenole und andere antioxidativ wirkende Pflanzenstoffe enthalten, die unter anderem aus Hopfen und Malz stammen. Das macht Bier jedoch nicht zu einer empfehlenswerten Quelle für Antioxidantien.
